Joachim Richter
     

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Animus Anima

„Unsere Aufgabe ist heute nichts Geringeres, als eine Form oder eine Symbolisierung der Welt zu erschaffen. Dies mag uns als die größte Gefahr erscheinen, welche die Menschheit jemals anzugehen hatte. Doch ist nicht gewiß, ob sie dies nicht schon mehrmals getan hat, bzw. ob nicht die Welt selbst dies schon mehrmals getan hat. Es handelt sich weder um eine abstrakte noch um eine rein formale Aufgabe - ob man dieses Wort nun logisch oder ästhetisch auffaßt. Es ist vielmehr die höchst konkrete und bestimmte Aufgabe – eine Aufgabe, die nur ein Kampf sein kann –, an jede Geste, an jedes Benehmen, an jeden habitus und jeden ethos die Frage zu stellen: Wie führst (ennage) du die Welt aus? Wie verweist du auf einen Genuß der Welt als solcher, und nicht auf die Aneignung einer Äquivalenzmenge? Wie verleihst du einer Wertdifferenz Form, die keine Differenz an Reichtum gemäß eines allgemeinen Äquivalents, sondern gemäß jener Differenz der Einzelnen ist, worin allein der Übergang eines Sinns im allgemeinen und das Ins-Spiel-bringen dessen, was man Welt nennt, bestehen?”

Jean-Luc Nancy: Die Erschaffung der Welt oder die Globalisierung, Zürich-Berlin 2003, S. 51-55